Wolfgang-Borchert-Platz in Hamburg-Eppendorf:

Zum Stand der Entwicklung der Entscheidung

Waren bislang alle Fraktionen (CDU, SPD, GAL, LINKE, FDP) im Bezirk Hamburg-Nord einig darin, Wolfgang Borchert unter allen Namensvorschlägen für den Platz an der Kümmelstraße vor dem ehemaligen Karstadt-Gebäude den Vorzug zu geben, so ist diese Einigkeit durch die Präferenz der Kulturbehörde für Marie Jonas (eine ehemalige jüdische Ärztin) irritiert worden. Die Begründung der Behörde beschränkte sich wesentlich darauf, daß es in Steilshoop schon einen (anonymen, wie wir finden) Borchert-Ring gebe.

Die Entscheidung zur Benennung des Platzes wurde einstweilen ausgesetzt. Sie soll am 6. Oktober in dem entsprechenden Ausschuß getroffen werden, woraufhin dann die Bezirksversammlung darüber entscheiden wird. Danach geht der Namenscasus auf die zentrale Ebene (Ausschuß, Senat, Bürgerschaft).
Das nachstehende Plädoyer wurde während einer zweiten Anhörung vor dem betreffenden Regionalausschuß gehalten.

Bürokratische Mühlen mahlen langsam, aber das Engagement lohnt sich.


Zweites Plädoyer für die Benennung des „Eppendorfer Platzes“ nach Wolfgang Borchert

Sehr geehrte Mitglieder des Ausschusses, geschätzte Interessierte -

als Ida Ehre, die Prinzipalin der Hamburger Kammerspiele, in denen das Borchert‘sche Stück „Draußen vor der Tür“ nur einen Tag nach dem verfrühten Tod des Autors uraufgeführt wurde, das als Vermächtnis Wolfgang Borcherts geltende Gedicht „Dann gibt es nur eins!“ im Zusammenhang mit einer großen Friedensdemonstration  rezitierte, hallte sein „Nein!“ zu Krieg, Gewalt und Zerstörung eindrucksvoll über die Hamburger Alster.
Der Autor, der hier in Eppendorf aufwuchs, war in unverbrüchlicher wie ausdrucksstarker Weise Pazifist. Dieses weltlich-humanistische Credo wurde auch vielen Generationen von Schülerinnen und Schülern im Unterricht vermittelt. Zu diesem „Unterrichtsstoff“ gehörten und gehören auch die knappen und klaren „Lesebuchgeschichten“ wie die folgende:

 

„Als der Krieg aus war, kam der Soldat nach Haus. Aber er hatte kein Brot. Da sah er einen, der hatte Brot. Den schlug er tot.
Du darfst doch keinen totschlagen, sagte der Richter.
Warum nicht, fragte der Soldat.“

Diese kompromißlose Anregung, nicht nur die Wahrheit und die Menschen nicht durch den Krieg und im Kriege sterben zu lassen, sondern auch die kultivierte Mitmenschlichkeit zu retten, zu bewahren und zu praktizieren, gehört zu den besten Lehren, die in der Schule, und nicht nur dort, vermittelt und ausgreifend praktiziert werden können.
Diesen Duktus trägt auch das kurze Gedicht, das ich zur Abrundung meines Plädoyers vortragen möchte:

„Ich möchte Leuchtturm sein
in Nacht und Wind,
für Dorsch und Stint
und jedes Boot -
und bin doch selbst:
Ein Schiff in Not!“


Der „Eppendorfer Platz“ möge doch, in guter Überzeugung, nach Wolfgang Borchert benannt werden. Das ist eine schöne Wahl.

Olaf Walther

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